Zwischen Ritual und braunem Honig
Ich greife neben mich.
Das Ziel ist nicht mein Handy, sondern – mithilfe dessen – nach dem Powerschalter meiner Siebträgermaschine zu greifen. Ich benutze es, um die WLAN-Steckdose zu aktivieren, die meiner neuen Siebträgerin mit Dualboiler Leben einhaucht.
Wer sich jetzt fragt, was genau ein Dualboiler eigentlich ist und weshalb Menschen bereit sind, für eine Kaffeemaschine erstaunlich viel Geld auszugeben, der ist hier genau richtig.
Tatsächlich erwacht sie zum Leben.
Ein vertrautes Pumpgeräusch setzt ein. Irgendwo zwischen Maschine und Lebewesen. Ein Geräusch, das mein Gehirn mittlerweile mit etwas verbindet, das ich nur als braunen, fließenden Honig beschreiben kann.
Kaffee
Und damit beginnt das Ritual.
Etwas zwischen Tradition, Technik und der beschäftigten Hand. Zwischen dem leisen Klacken des Siebträgers, dem Mahlen der Bohnen und dem kurzen Moment, in dem man eigentlich noch gar nicht richtig wach ist, aber bereits etwas mit voller Absicht tut.
Vielleicht ist es genau das, was mir daran gefällt.
Man übernimmt morgens für ein paar Minuten die Kontrolle.
Die Tasse und damit ein kleines Stück des Tages fest im Griff. Mahlen. Tampen. Einspannen. Starten. Warten.
Und dann dieser eine Moment.
Der erste Tropfen fällt.
Aus dem anfänglichen Rinnsal wird ein gleichmäßiger, glänzender Strom. Die Crema legt sich über den Espresso und wird von einem Tigermuster durchzogen.
Es ist nur Kaffee.
Und gleichzeitig ist es ein kleiner Erfolg.
Einer dieser vollkommen unnötigen, aber erstaunlich befriedigenden Erfolge, die einem das Herz ein kleines bisschen höher hüpfen lassen.
Man hat noch keine E-Mail beantwortet. Noch keine Entscheidung getroffen. Noch nichts Produktives geleistet.
Aber die Crema sitzt.
Und irgendwie fühlt sich der Tag dadurch schon ein wenig besser an.
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